Erwin E.W. Meier - Requiem
Kammerchor Münster
Hermann Kreutz - Leitung
Monika Eder - Sopran
Jörg-Peter Mittmann - Oboe
Christiane Alt-Epping - Orgel
Christa Meier-Drave - Malerei
Auf der neuen CD des Kammerchor Münster widmet sich das Ensemble unter der Leitung seines langjährigen Dirigenten Hermann Kreutz ausschließlich der Requiem-Vertonung des Detmolder Komponisten Erwin E.W. Meier (1937–2007). Das Werk, 1991 vollendet, steht in der Tradition des etwa 40 Jahre früher entstandenen Requiems von Maurice Duruflé, was sich u.a. auch schon in der Satzfolge (und dem damit verbundenen Requiem-Text) zeigt. Doch mehr als im Requiem von Duruflé macht Meier eine innere Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit des Menschseins zum Thema. Die Musik ist Zeugnis eines Menschen, der sich aufgrund der eigenen Krankheitsgeschichte mit dem Thema Tod bzw. Sterben auseinandersetzte und dieses in kongenialer Weise musikalisch verarbeitet hat.
Solisten in dieser Einspielung sind die deutschlandweit bekannte Sopranistin Monika Eder und der Oboist Jörg-Peter Mittmann, der sich bereits als Komponist sowie als Gründer und Leiter des Ensemble Horizonte (Detmold) einen Namen in der Neuen Musik-Szene gemacht hat.
Inhalt / Hörbeispiele
1. Introitus
2. Kyrie
3. Domine Jesu Christe
4. Sanctus
5. Pie Jesu
6. Agnus Dei
7. Lux Aeterna
8. Libera me
9. In Paradisum
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aus dem Booklettext
[...] Die Auseinandersetzung mit dem frühen Tod des eigenen Vaters und darüberhinaus mit der eigenen Vergänglichkeit, die vielfältigen Erfahrungen eines Lebens, in dem neben den gesundheitlichen Problemen ohne Zweifel auch viele glückliche Momente die Persönlichkeit prägten, fließen zusammen in einer Tonsprache, die weder als kühl noch leidenschaftlich charakterisiert werden kann, weder der romantischen Idee verpflichtet noch der Moderne – sie scheint „aus der Zeit zu fallen“. Die Musik nimmt das Moment der Zerrissenheit auf, indem stilbildende Elemente und Formen der traditionellen Tonsprache mit Strukturen und Stilmitteln der sog. Neuen Musik teilweise miteinander verwoben, teilweise kontrastierend gegenübergestellt werden. Ein Umstand, der sicherlich dazu beiträgt, dass das Werk nur schwer einem bestimmten kompositorischen Stil zugeordnet werden kann. Es spielt förmlich mit der Verarbeitung verschiedenster Formen und musikalischer Gesten.
[...]
Einen möglichen Hinweis auf die grundlegende Intention des Komponisten (im Hinblick auf die geistig-emotionale Anlage des Requiems) gibt uns vielleicht ein Aphorismus der deutschen Lyrikerin Hilde Domin (1909–2006), der die Widersprüchlichkeit des Daseins auf einfache Art und Weise zum Ausdruck bringt und gleichzeitig einen Weg voller Zuversicht und Hoffnung aufzeigt. „Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug.“ Die Luft trägt den Fuß, lesen wir, scheinbar ein Widerspruch und auch wieder nicht, denn das deutsche Wort Luft kann in diesem Kontext noch andere Bedeutungen konnotieren: So enthalten die griechischen und hebräischen Entsprechungen für Luft (pneuma und ruach) in ihrer Grundbedeutung die Begriffe Atem, Wind, Luft, aber auch Geist. Aus theologischer Sicht ist es also nicht weit vom Wort Luft zu Geist und damit auch zum Geist Gottes. Der Heilige Geist wirkt wie Atem, Wind und Luft, manchmal erfrischend wie eine leichte Brise, manchmal stürmisch. Die Luft ist stets unsichtbar, aber in ihrer Wirkung spürbar und belebend. Und so wirkt auch der Geist in den Handlungen und Werken der Menschen; durch sie entfaltet er seine Aktivität und „trägt“ uns gleichsam durchs Leben.
Die vorliegende Requiem-Vertonung [...] ist geistiger Ausdruck eines Menschen, der die Widersprüchlichkeit des eigenen Seins verarbeitet hat und damit einen persönlichen Weg der Zuversicht gegangen ist.
(Jens F. Meier)
Dem Booklet sind ausgewählte Pastelle von Christa Meier-Drave beigegeben. Sie sind keine Ausdeutung eines Requiems. Sie stellen jedoch, wie die Totenmesse, Fragen nach der menschlichen Existenz und ihrer Widersprüche. Sie haben äußere Erscheinungen in Bezug zu innerer Befindlichkeit zum Thema.
Die Pastelle in ihrer Vieldeutigkeit lassen verschlüsselte Geschichten erahnen. Räume, Figuren, Gegenstände sind in ihrer Gestaltung zu Bildwidersprüchen geworden, Verfremdungen und Mehrdeutigkeiten stören die Erwartungen. Der Schlüssel zu dieser Bildsprache liegt beim Betrachter. Seine Erlebniswelt und seine Bilderfahrungen schaffen neue Bildzusammenhänge. Sie ermöglichen eigene unterschiedliche Interpretationen. Die Bilder sind Wagnisse, denn sie verweigern die Logik. Sie stellen Fragen und lassen Raum für kreatives Sehen.
Eine Sammlung der Arbeiten von Christa Meier-Drave kann auf den Seiten der Kunsteditionen Kaleidos gesehen werden.
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Pressestimmen
Kritik: Musica Sacra (März/April 2011)
"[...] Im Vergleich zu Weiss gibt sich das Requiem (1993) von Erwin E.W. Meier (1937–2007) in seiner Besetzung und in der Konzentration auf das liturgische Formular bescheidener. Lediglich ein Satz von Hilde Domin dient als Motto: "Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug." Das ist sympathisch, wenn auch die noch stärker traditioniell-harmonische Bindung und auch die Melodik wenig weiterführen. Das Booklet enthält persönliche Anmerkungen des Sohnes Jens F. Meier zum Werk und intensive Pastelle der Witwe Christa Meier-Drave. Im Ganzen rechtfertigt auch die musikalische Qualität dieser Edition eine Neuaufnahme."
Interpretation: 5 (von 5 Punkten)
Technik: 4 (von 5 Punkten)
Booklet: 5 (von 5 Punkten)
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