Konzertchor Braunschweig

Konzertchor Braunschweig

Verpackung / Artwork

JewelCase, 16-seitiges Booklet
Veröffentlichung: 11/2008
Best.-Nr. KAL 6310-2

CD bestellen | bei JPC

 

 


Konzertchor Braunschweig

weitere Informationen zum Konzertchor Braunschweig auf der Homepage des Chores

 

 

 

 

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht

Abend- und Nachtimpressionen in der Musik der Romantik

Konzertchor Braunschweig
Alexandra Dieck – Sopran
Christian Schulte – Klavier
Matthias Stanze – Leitung

 

Trackliste / Hörbeispiele

01 Johannes Brahms „Abendständchen“ op. 42 Nr. 1
02 Johannes Brahms „Ständchen“ op. 106 Nr. 1
03 Johannes Brahms „Des Abends“ WoO posthum 35 Nr. 6
04 Johannes Brahms „Verstohlen geht der Mond auf“
05 Frédéric Chopin Nocturne Des-Dur, op. 27 Nr. 2
06 Franz Schubert „Die Sterne“ op. 96 Nr. 1
07 Max Reger „Das Sternlein“ (sechs ausgewählte Volkslieder)
08 Robert Schumann „In der Nacht“
09 Louis Spohr „Vesper“ op. 120 Nr. 2
10 Robert Schumann „Abendlied“ op. 107 Nr. 6
11 Hugo Wolf „Komm, Trost der Welt, du stille Nacht“
12 Frédéric Chopin Nocturne Es-Dur, op. 9 Nr. 2 – Andante
13 Robert Schumann „Singet nicht in Trauertönen“ op. 98a Nr. 7
14 Franz Schubert „Auf dem Wasser zu singen“ op. 72
15 Franz Schubert „Die Nacht“ op. 17 Nr. 4
16 Robert Schumann „Des Abends“ aus den Fantasiestücken op. 12
17 Robert Schumann „Schöne Fremde“ op. 39/6
18 Fanny Hensel „Abschied“ op. 3 Nr. 5
19 Josef Gabriel Rheinberger „Abendfriede“ op. 52 Nr. 5
20 Robert Schumann „Gute Nacht“ op. 59 Nr. 4

Booklettext

Romantik oder
»Die Welt wird Traum, der Traum wird Welt.«  Novalis

Abendstimmung und Mondnacht – zwei Themen, die Maler und Dichter des 19. Jahrhunderts bevorzugt in ihren Bann zogen und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. So vermochte das fotografische Auge umseitiger Mondscheinstudie des Riddagshäuser Kreuzteiches genau eine zentrale Stimmung der Zeit der Romantik einzufangen, die etwa Ludwig Tieck mit seinen Worten in wundervoller Weise artikuliert und über die sich weitere Facetten entfalten, die den vieldeutigen und weit reichenden Begriff Romantik weniger als Epoche als eher eine Weltanschauung begreifen lassen: Der Romantiker sucht die wahren Erlebnisse in der Fantasie, im Traum und in der Natur; er hat eine Vorliebe für das Dunkle, die Nacht, das Dämonische und das Leidenschaftliche; er ist geprägt von einer immerwährenden und unstillbaren Sehnsucht nach dem Unendlichen und dem Transzendenten, die sich bis zur Todessehnsucht steigern kann.
In nebenstehendem Eichendorff-Gedicht drückt sich die hohe Wertschätzung aus, die Musik bei den Romantikern genießt. Sie wird gesehen als eine Art „Ursprache der Natur“ (E.T.A. Hoffmann), als Abbild des Unendlichen. Richard Wagner schreibt: „Das, was mich die Musik so unsäglich lieben lässt, ist, dass sie alles verschweigt, während sie das Undenklichste sagt (…)“. Wie sehr tatsächlich reine Instrumentalmusik an die Stelle von sprachlicher Lyrik zu treten vermag, verdeutlicht die Gattung des Charakterstückes als Sammelbezeichnung für lyrische Genrestücke, wie sie besonders im 19. Jahrhundert beliebt waren, zu deren Hauptvertretern Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin zählen. Heinrich Heine schrieb 1837: „Ja, dem Chopin muss man das Genie zusprechen, in der vollen Bedeutung des Worts; er ist nicht nur Virtuose, er ist auch Poet, er kann uns die Poesie, die in seiner Seele lebt, zur Anschauung bringen, er ist Tondichter, und nichts gleicht dem Genuss, den er uns verschafft, wenn er am Klavier sitzt und improvisiert. […] Sein wahres Vaterland ist das Traumreich der Poesie.“ Die Konzeption der Werkzusammenstellung vorliegender CD lässt die in dem Zitat beschriebene Subtilität poetischer Instrumentalsprache in besonderer Weise in der Nachbarschaft zu der Gattung des Kunstliedes erfahren, die im 19. Jahrhundert zu voller Blüte gelangte. Für die ausgewählten Kompositionen darf gelten, was der Musikwissenschaftler Thrasybulos G. Georgiades stellvertretend über Franz Schuberts Kompositionskunst schreibt: „Schuberts Gesang ist das musikalische Erklingen der Sprache, ist Sprache als Musik. Und Sprache ist sowohl Zusammenhang als auch Artikulation, sowohl Verbinden als auch Trennen, sowohl Einheit als auch Unterscheiden: sowohl Satz – und da das Ganze der Sätze – als auch Wörter, Silben, Laute.“
Die Ausprägung des Chorliedes als eigenständiger musikalischer Gattung ist unmittelbar an die Romantik geknüpft und gelangte im Rahmen bürgerlicher Musikkultur des 19. Jahrhunderts zugleich zu höchster Blüte. Für die Entfaltung dieser überaus reichen musikalischen Gattung im Bereich der Chormusik, die durchaus auch Ausläufer ins Biedermeier, ins Sentimentale, ja gar in den Kitsch aufzuweisen hat, ist die Wiederentdeckung des Volksliedes von entscheidender Bedeutung – und daran geknüpft das Vorhandensein hochwertiger Lyrik aus der Feder hervorragender Dichter.
Neben den Hauptvertretern romantischer Chorlyrik, zu denen Robert Schumann und Johannes Brahms zu zählen sind, sind auf dieser CD auch Kompositionen, die als Raritäten einzustufen sind, so etwa von Fanny Hensel, Max Reger, Joseph Rheinberger und Louis Spohr vertreten. Wiederum bedeutet die Zusammenstellung der Kompositionen aus den beschriebenen musikalischen Gattungen lediglich eine Auswahl aus einem überaus reichen Schatz an Kompositionen zum Thema Abend und Nacht.