Préludes | Chopin & Scrjabin
Zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin veröffentlicht Kaleidos eine CD mit allen 24 Préludes des polnischen Klavierkomponisten - und zusätzlich alle 24 Préludes von Alexander Scrjabin. Die Pianistin Michèle Gurdal glänzt auf ihrer Debut-CD in großartiger Manier mit Musikalität und Virtuosität.
Der Hörer hat die Wahl: Die vorliegende Einspielung ermöglicht es, die insgesamt 48 Préludes der beiden Sammlungen Frédéric Chopins und Alexander Scrjabins traditionell zyklisch auf sich wirken zu lassen, und in einer zweiten Zusammenstellung – der Bonus-CD – das Spiel der Klangfarben, wie es die beiden Komponisten zumeist sehr gegensätzlich realisiert haben, direkt vergleichen zu können, indem jeweils zwei Préludes einer Tonart unmittelbar aufeinander folgen, erst Chopin, dann Scrjabin.
Inhalt / Hörbeispiele
| Préludes | Chopin | Scrjabin |
| op. 28 | op. 11 | |
| Nr.1 C-Dur | Agitato | Vivace |
| Nr.2 a-Moll | Lento | Allegretto |
| Nr.3 G-Dur | Vivace | Vivo |
| Nr.4 e-Moll | Largo | Lento |
| Nr.5 D-Dur | Molto Allegro | Andante cantabile |
| Nr.6 h-Moll | Lento assai | Allegro |
| Nr.7 A-Dur | Andantino | Allegro assai |
| N.8 fis-Moll | Molto agitato | Allegro agitato |
| Nr.9 E-Dur | Largo | Andantino |
| Nr.10 cis-Moll | Molto allegro | Andante |
| Nr.11 H-Dur | Vivace | Allegro assai |
| Nr.12 gis-Moll | Presto | Andante |
| Nr.13 Fis-Dur/Ges-Dur | Lento | Lento |
| Nr.14 es-Moll | Allegro | Presto |
| Nr.15 Des-Dur | Sostenuto | Lento |
| Nr.16 b-Moll | Presto con fuoco | Misterioso |
| Nr.17 As-Dur | Allegretto | Allegretto |
| Nr.18 f-Moll | Molto allegro | Allegro agitato |
| Nr.19 Es-Dur | Vivace | Affettuoso |
| Nr.20 c-Moll | Largo | Appassionato |
| Nr.21 B-Dur | Cantabile | Andante |
| Nr.22 g-Moll | Molto agitato | Lento |
| Nr.23 F-Dur | Moderato | Vivo |
| Nr.24 d-Moll | Allegro appassionato | Presto |
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aus dem Booklet
[...] Mit Michèle Gurdal kann man schöne Überraschungen erleben. Wenn sie vor dem Flügel Platz nimmt, zierlich und hübsch wie sie ist, erwartet man nichts Unerhörtes, freilich auch nicht das Gegenteil. Sie könnte sich ebenso an eine Kaffeetafel setzen, so unpreziös wirkt sie und aufgeräumt und gleichmütig darauf gefasst, was folgen soll. Was folgt, sobald sie zu spielen beginnt, ist ein Feuer, ein helles, kontrolliertes Feuer, das - wie Ernst Bloch über Otto Klemperer gesagt hat - genau brennt. Da entäußern sich von der ersten Note an Leidenschaft und eine Kraft, die man dieser jungen Frau nicht sogleich ansieht.
[...]
2005 wurde Michèle Gurdal Stipendiatin der ehrwürdigen International Piano Academy Lake Como. Hier arbeitet sie nach wie vor mit Dmitri Bashkirov, Leon Fleischer, Menahem Pressler, Fou Tsong, William-Grant Naboré, Andreas Staier, John Perry und Claude Franck. Außerdem bekam sie ein Stipendium der Stiftung Wilhelm Kempff, um – gemeinsam mit John O’Connor – das Werk Ludwig van Beethovens vertiefend zu studieren.
Ihre Klasse bestätigte die Pianistin bei zahlreichen Auftritte in ihrem Heimatland und darüber hinaus: in Deutschland, Frankreich, Holland, der Schweiz, Italien, Spanien, England, Kanada und den USA. Doch Länder besagen manchmal wenig; aussagekräftiger sind die Anlässe und Orte der Auftritte: Schleswig-Holstein- Musikfestival, Klavierfestival Ruhr, Tonhalle Zürich, Oetkerhalle Bielefeld, Theater Ghione Rom, Église de Saint-Germain-des-Prés Paris, Mendelssohnsaal des Gewandhaus Leipzig… Dazu kommen seit 2007 kammermusikalische Auftritte mit dem Ensemble Cosmopolitan.[...]
Michèle Gurdal nimmt sich der zweifachen Préludes auf ganz persönliche Weise an: mit eigenen Augen und eigenen Ohren. Auch mit dem ihr eigenen kompetenten Wagemut. Denn diese Stücke erfordern mehr als Fingerfertigkeit an den schwarz-weißen Tasten. Sie verlangen zudem Fingerspitzengefühl, im übertragenen Sinne musikalischer und interpretatorischer Intelligenz. Doch höre man selbst – und lasse sich überraschen.
(Ulrich Kahmann)
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Pressestimmen
Kritik: Klassik-Heute.com (Mai 2010), von Peter Cossé
"Ein musikalisches, ein musikologisches Experiment von hoher Erlebens- und Informationsdichte! Und ich erlaube mir hinzuzufügen: hier handelt es sich nicht um eine rohe, universitäre Erkundung und Belehrung, sondern um ein pianistisch klug und temperamentvoll erlebtes Abenteuer auf den Spuren zweier Komponisten, die auf wundersame Weise Verwandtschaft, Nähe, aber auch Distanz bezeugen. Zu danken sind die Aufnahmen der je 24 Préludes von Chopin und Scriabin einer jungen (?) belgischen Pianistin: Michèle Yuki Gurdal. [...]
Mit liebevoller Umsicht in den verschiedensten Ton- und Gefühlslagen entfaltet sie das Kleine wie das Größere mit ausgeprägtem Gespür für das jeweils Vorliegende, aber sie versteht es auch, die Stücke – wenn nötig, wenn vertretbar – zu binden, sie gewissermaßen als logische Konsequenz innerhalb einer Sammlung zu platzieren. [...]
Gurdal und ihr CD-Produzent haben sich jedoch nicht nur damit begnügt, die beiden Préludes-Serien zu publizieren. Auf CD 2 werden die Stücke von Chopin und Skrjabin Nummer für Nummer einander gegenübergestellt. Und es zeigt sich auf faszinierende Weise, wie ähnlich in Bewegung und Atmosphäre diese Miniaturen sind, wie stark sich Skrjabin von Chopin inspiriert gefühlt haben dürfte (bewusst oder unbewusst, das mag dahin gestellt sein). Auf einer subjektiv angelegten Liste der Parallelitäten wage ich folgende Préludes als Kompositionen mit hoher Nachbarschaftsquote zu nennen: Nr. 1-4, 11, 13, 14, 17, 20, 21 und 23. Etwas sanftere, mehr imaginäre Berührungspunkte habe ich im Umfeld der Préludes Nr. 8, 9, 15, 16, 18 und 24 notiert, aber jeder Hörer – und ich wünsche dieser Edition ein großes Publikum! – wird sich in Bezug auf stilistische, klaviertechnische und atmosphärische Überschneidungen ein eigenes Bild machen.
So ist dieses auch in den schwierigsten Partien (etwa op. 28,16!) souverän präsentierte Préludes-Doppel einerseits als lebendige, pianistisch aufregende Leistung zu würdigen, andererseits als Stimulans, sich eingehend mit zwei Werkgruppen weit über den Genuss des normalen Hörens hinaus auseinander zu setzen."
künstlerische Qualität: 10 (von 10 Punkten)
Klangqualität: 9 (von 10 Punkten)
Gesamteindruck: 10 (von 10 Punkten)
Lesen Sie die ganze Kritik auf Klassik-Heute.com!
Kritik: RONDO-Magazin (Juli 2010), von Michael Wersin
"[...] Weil die Wanderung durch die Tonarten nicht nur in jedem der Zyklen für sich interessant ist, sondern auch zu einer unmittelbaren Gegenüberstellung anregt, hat man sich für Michèle Gurdals Einspielung der beiden Zyklen ein besonderes editorisches Konzept überlegt: Der Hörer bekommt zwei CDs in die Hand. Auf der ersten erklingen die beiden Zyklen hintereinander, und auf der zweiten sind dieselben Préludes so angeordnet, dass die jeweils tonartgleichen Stücke direkt aufeinanderfolgen. Eine gute Idee, die einen durchaus lohnenswerten Mehraufwand bedingt – tatsächlich erschließen sich Chopins und Skrjabins Préludes durch die beiden unterschiedlichen Arten der Anordnung auch auf unterschiedliche Weise.
Dass man bei dieser Produktion von einem Erfolg sprechen darf, ist natürlich nicht nur ein Ergebnis des editorischen Konzepts. Im Vordergrund steht vielmehr die Leistung der belgisch-japanischen Pianistin Michèle Gurdal, die sich tief in die Welt der beiden Zyklen eingelebt hat und eine nicht nur technisch vollendete, sondern gleichermaßen auch interpretatorisch ausgefeilte Leistung erbringt. Ihre Spezialität sind die weiten Klangräume, die viele der Préludes dem Hörer eröffnen. Gurdal ermöglicht durch ihre ebenso sensible wie zupackende Darbietung das tiefe Eintauchen des Hörers in die Stimmungswelten solcher Stücke. Sie entlockt dem verwendeten Schimmel-Konzertflügel (!) ein erstaunlich breites Farbenspektrum und glänzt dabei gleichzeitig durch den sicheren Zugriff auf das "Kantabilitätspotenzial" der Stücke: Die melodischen Bögen werden souverän ausgespannt und differenziert ausgeleuchtet. Kurzum: Michèle Gurdal vermittelt dem Hörer ein eindrucksvolles Erlebnis romantischer bzw. nachromantischer Klavierkunst. [...]"
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Kritik: PIANO NEWS (6/2010), von Marco Frei
"Die Idee verschiedene „Préludes“-Zyklen so einzuspielen, dass jeweils die Stücke einer Tonart nacheinander erklingen, ist sicherlich nicht neu. Und eigentlich liegt sie auf der Hand, dennoch wird das eher selten gemacht. Dass es sich lohnt, weil neue – zumindest aber andere – Einsichten geboten werden, zeigt die schöne Einspielung der „Préludes“ op. 28 von F. Chopin und op.11 von A. Skrjabin von Michèle Gurdal.
Auf der ersten CD werden beide Zyklen getrennt präsentiert, die zweite verzahnt die jeweiligen Stücke einer Tonart der beiden Zyklen miteinander. Spannende schöpferische Dialoge kommen heraus, die von der belgisch-japanischen Pianistin sensibel ausgestaltet werden. Nicht zuletzt beeindruckt die Bass-Fülle des Schimmel-Flügels. [..]"
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